Baumpilze erfüllen wichtige Ökosystem-Funktionen

Baumpilze sind Spezialisten, die sich von Holz ernähren. Sie gewinnen Energie für Fortpflanzung und Wachstum aus Zellulose und Lignin, den Hauptbestandteilen des Holzes. Holzzersetzende Pilze können als Parasiten lebende Bäume schädigen und im Siedlungsbereich ihre Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Viele Pilze, die sich von Holz ernähren, bauen aber vorwiegend totes Holz ab. Sie leisten als Zersetzer organischer Substanz in seine anorganischen Bestandteile unschätzbar wichtige Dienste – denn ohne sie gäbe es keinen Stoffkreislauf.

Das Bild zeigt Pilzfruchtkörper des Echten Zunderschwamms (Fomes fomentarius) an einem umgestürzten Buchenstamm. Schaut man genau hin, erkennt man Fruchtkörper mit unterschiedlicher Orientierung. In der Mitte des Stamms, an der zentralen Furche, sieht man zwei Fruchtkörper, auf die man quasi von unten drauf schaut. Das bedeuted, dass diese Fruchtkörper schon am stehenden Stamm gewachsen sind. Der Zunderschwamm ist nämlich ein holzzersetzender Pilz, dessen Fruchtkörper mehrere Jahre am Baum wachsen. Stürzt ein befallener Baum um, korrigieren die mehrjährigen Fruchtkörper ihre Wachstumsrichtung. Man spricht von Geotropismus. Die Fruchtkörper-Unterseite muss stets nach unten zeigen, damit die Sporen entweichen können.

Der Zunderschwamm und andere Fruchtkörper von Baumpilzen dienen auch selbst als Nahrungsgrundlage und Behausung. Es gibt eine ganze Gruppe von winzigen Käfern, die die harten, mehrjährigen Fruchtkörper zwingend für ihr Überleben brauchen, wie z.B. die Zunderschwamm-Schwarzkäfer. Mittlerweile verschwinden mit den alten, anbrüchigen Bäumen in unseren Landschaften auch die Baumpilze und mit diesen ihre Bewohner.

 

Das Bild zeigt (außer meinen Kollegen Claudius) Fruchtkörper des Zunderschwamms an einem alten Silberahorn mitten in Warschau – ein seltener Anblick in der Stadt.